|
Eigentlich wollte ich ja am 24. April den Isarradweg vom Beginn bzw. Ende in Thundorf an der Donau bis nachhause in München Neuhausen wandern. Wie es mir dabei erging, folgt umgehend.  Die Abtei Niederalteich auf der andern Donauseite
Am Freitag, den 24.4.2009, frühmorgens fuhr ich mit dem Zug nach Plattling und von dort aus mit einem Taxi weiter nach Thundorf, wo der Isarradweg beginnt bzw. endet. Ich hatte einen Rucksack dabei mit 6 mal 1/2 Liter Flaschen mit Iso-Getränk, reichlich Wechselkleidung und was man halt sonst noch alles für eine längere Wanderung benötigt. Von meinem festgelegten Start bis hin zu Isarmündung ging es erst mal ca. 8 Kilometer entlang den Altwässern der Donau - eine sehr interessante Gegend mit vielfältiger Fauna.  Viele Wasservögel bekommt man hier zu Gesicht
Den letzten Kilometer bis zur Isarmündung kam mir dann ein Lastwagen nach dem anderen entgegen und direkt an der Mündung werkten Maschinen, die den Boden aushoben und planierten und die Lastwagen befüllten. Es sah aus, als würde dort ein riesiger Parkplatz entstehen. Ich glaube aber eher, dass dort eine Informationsstelle gebaut wird, denn weit und breit führt ja keine richtige Straße hierher, also eher ein Stützpunkt für Radfahrer. Über einen schmalen Pfad konnte ich mich dann von dort aus bis zu KM 0,0 der Isar hin bewegen. Nicht sehr spektakulär: Man sieht eine Baumgruppe mitten im Fluss - diesseits ist die Isar und jenseits kommt die Donau daher.  Mündung der Isar - hinter der Baumgruppe fließt die Donau
Bedingt durch die Bauarbeiten war dann auch der Weg für mich nicht so einwandfrei zu finden und ich wanderte eine kurze Zeit durch das Naturschutzgebiet, wo es wirklich ausgesprochen schön war, und man viel Natur sehen, spüren und hören konnte. Als ich wieder auf den Radweg gelangte, musste ich feststellen, dass seit dem 1. April dort Betretungsverbot bestand - Brutgebiet. Ich habe hoffentlich durch mein Durchstreifen des Gebiets nichts angerichtet! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nun schon patschnasse Füße, vor der Isarmündung bin ich auf der feuchten Deichkrone spaziert, an der Baustelle oftmals tief im Schlamm versunken und danach wieder auf feuchten Wegen durch das Schutzgebiet. Dann war wieder der Fahrradweg erreicht, dem ich eigentlich folgen wollte.  Immer wieder streift man überschwemmtes Gebiet
Erst ging es mal weitab der Isar ohne feste Richtung diesem Radweg entlang. Die Landschaft wechselte von freien Feldern über Auwaldlandschaft, es war immer sehr schön. Oft hatte man jedoch auch die Möglichkeit oben auf einem Überschwemmungsdeich zu wandern, während der Radweg unterhalb verlief. Von oben hatte man die bessere Aussicht und einen guten Überblick.  Schöne Übersicht hatman von der Deichkrone
Plattling war bald erreicht. Ich hatte mir ja einen groben Zeitplan erstellt, der jedoch keinerlei Pausen vorsah, sondern nur das Zurücklegen von einzelnen Etappen in angemessener Zeit. Ich lag etwa 20 Minuten unter dem mir gestzten Soll und das hielt sich dann auch bis Freising, wo ich die Tour dann vorzeitig beendete, aber dazu später mehr.
Der Radweg führte nun immer ziemlich in Isarnähe dahin und meistens verlief auch der Deich neben dem Radweg, so dass man, wenn man wollte, auch an der Deichkrone spazieren konnte. Einige Orte wurden passiert, aber man durchquerte sie nicht, sondern sah meistens nur einen Kirchturm aus dem Wald von einer Anhöhe lugen. Direkt am Radweg gab es so gut wie nichts, um sich zu versorgen. Ich plante nun schon, wo und wann ich meine Flüssigkeitsreserven aufstocken musste. Es sollte auf jeden Fall so ca. um 18 Uhr sein, da die Läden in den Dörfen sicher nicht bis 20 Uhr geöffnet haben würden, wie ich es aus der Stadt gewohnt bin. Die Strecke bis Landau an der Isar war schön, aber trotzdem ohne speziell besonders herausragende Örtlichkeiten oder Passagen. Landau sah ich dann links oberhalb und da war es erst kurz nach 17 Uhr. Also weiter bis zum nächsten Ort Mamming. Auf der Karte, die ich besaß, glaubte man, den Ort direkt zu streifen, aber ich musste erst einmal hinauf zur Anhöhe und fand dann kurz nach 18 Uhr eine Bäckerei, in der es einen Getränkekühlschrank gab. Leider waren alle Getränke ausverkauft und die Inhaberin gab mir eine andere Adresse, wo ich es versuchen sollte. Auf dem Weg dorthin kam ich an einer Pizzeria vorbei und stellte zu meiner Freude fest, dass sie geöffnet war. Ich bestellte eine Pizza und 5 halbe Literflaschen Cola. Ein Cola trank ich zu Pizza, die zwar nicht besonders gut aussah, aber hervorragend schmeckte. Nun hatte ich einen Getränkevorrat, der mich eigentlich locker durch die Nacht bringen sollte. So etwa um 10 Uhr wollte ich dann noch ein Abendessen zu mir nehmen und nochmals ausreichend trinken.
 Sonnenuntergang über der gestauten Isar bei Dingolfing
Hinter Dingolfing ging dann die Sonne mit schönem Abendrot über der dort angestauten Isar unter. Ich machte ein paar Aufnahmen davon und bereitete mich auf eine einsame Nacht vor. Als Ort für das Abendessen hatte ich mir dann Niederviehbach auserkoren. Ich kam dort ungefähr um halb 10 Uhr an und musste entlang der Hauptstraße noch einen knappen Kilometer stetig bergan wandern, bis ich dann wieder eine Pizzeria fand, die auch noch geöffnet hatte. Ich war der einzige Gast. Es waren sehr nette junge Damen als Wirtsleute, und ich bekam dort Spaghetti mit Tomatensauce und einen Salat serviert. Dazu trank ich innerhalb kürzester Zeit eineinhalb Liter Apfelschorle. Das tat so unheimlich gut!
Eine ganze Zeitlang hatte ich schon ein Brennen unter dem linken Vorfuß bemerkt. Das schaute ich mir dann draußen mal an. Auf einer Bank unter einer Laterne machte ich es mir bequem, zog meine Socken aus und sah auch schon weitere Blasen an ganz anderen Stellen. Ich hatte zum Glück auch noch eine trockene Einlegesohle für die Schuhe dabei, entfernte die alte, feuchte Einlegesohle, cremte meine Füße mit Hirschtalg ein und wechselte die Socken. Dann ging es weiter. Die ersten Schritte brannte es schon sehr heftig unter dem Vorfuß, aber nach ein paar Hundert Metern ging es wieder ganz gut.
Wenn ich lange Wanderungen durch die Nacht unternehme hatte ich bisher nie einen mp3-Player dabei, denn da kann man sich unterhalten, wenn man möchte. Aber so ganz alleine nach einem bereits zurück liegenden langen Wandertag benötigt man dann doch etwas mehr Motivation. Ich hatte einen mp3-Player mitgenommen, den ich nun aktivierte und mich damit die nächsten Stunden mit Hardrock berieseln ließ. Ich wurde in der Nacht nicht müde. Ich nehme meine Vorurteile gegen die Benutzung dieser Geräte beim Wandern zurück, zumindest, wenn man alleine unterwegs ist.
So streifte ich dann bald Niederaichbach, den Ort, in dem ich der Geher-Vereinigung angehöre. Kurz nach Niederaichbach erklomm ich dann nochmals die Deichkrone, um einen Blick auf das Atomkraftwerk Ohu zu ergattern. Es war festlich erleuchtet und erzeugte trotz der bedrohlichen Architektur und riesigen Wasserdampfwolke die aus dem Kühlturm austrat, ein romantisches Bild, das sich in der Isar spiegelte. Die nächsten 15 Kilometer nach Landshut kamen mir etwas langweilig vor. In der Nacht gibt es keine große Abwechslung bei den optischen Eindrücken und da sich der Weg meistens im Wald bewegte, trottete ich einfach vor mich hin.
Der Weg durch Landshut war nicht so einfach zu finden, aber es gelang mir dann doch irgendwie und um 2 Uhr nachts setzte ich mich dort auf eine Bank am Isarufer und trank eine Flasche Cola, dazu Schoko gefüllte Keks und Haribo - interessantes Menü! Ich rastete nicht sehr lange und setzte meinen Weg fort. Raus aus Landshut und parallel einer recht viel befahrenen Straße entlang war dann als nächstes Rast-Ziel Moosburg geplant. Ich war froh, als der Radweg sich endlich von dieser Hauptsraße entfernte und mich in sehr umständlicher Wegführung nach Moosburg brachte. Mittlerweilen war es dann auch schon wieder seit einer halben Stunde hell. Moosburg kannte ich ja von meiner Wanderung im Herbst, als ich von zuhause bis hierher gewandert und wieder mit dem Zug zurück gefahren war. Wieder eine Rast, Cola und Energieriegel gab es dieses Mal. Die Stelle unter dem Fußballen schmerzte schon sehr stark, auch meine andern Probleme, wie Hüfte und verkürzte Muskulatur, stellten mein Durchhaltewillen auf eine starke Bewährungsprobe. Bis hierher waren es etwa 110 Kilometer und am Freitag der kommenden Woche wollte ich ja unbedingt 104 Kilometer in Markkleeberg wandern.
Als ich nach der kurzen Rast wieder aufstand, wusste ich, dass ich die Tour in Freising beenden würde. Wie lange ich dorthin brauchen würde, war egal, aber alles was darüber hinaus gehen würde, war gesundheitlich für mich momentan nicht vertretbar. Die Stelle unter dem Fußballen stach wie verrückt und ich ging wie ein Storch. Es wurde nach einiger Zeit zwar wieder etwas besser, aber wohl bedingt durch eine Schonhaltung spürte ich nun im rechten Fußgelenk Schmerzen. Von Moosburg nach Freising ging es die ersten Kilometer etwas abseits der Isar und die letzten 10 Kilometer führten mich dann auf wunderschönem, abwechslungsreichem Weg immer näher zu meinem endgültigen Ziel, dem Bahnhof in Freising. Die letzten paar Kilometer verfiel ich schon in regelrechtes Hinken und so kann ich sagen, gerade noch rechtzeitig die Reissleine gezogen zu haben.
Statt den geplanten 16o Kilometern (aus denen nach meiner Streckenführung dann 170 Kilometer geworden wären) habe ich nun in 24 Stunden 130 Kilometer zurück gelegt - das ganze alleine und mit Rucksack. Das bezeichne ich nun schon mal als eine schleichende Annäherung an die 160 Kilometer.
Mental, muskulär und von der Ausdauer habe ich keine Zweifel 160 Kilometer zu wandern. Dazu muss sich aber Ursachenforschung betreiben, warum sich in letzter Zeit wieder vermehrt diese schmerzhaften Stellen bilden (es sind keine normalen Wasserblasen). Mein Hüftproblem sollte ich auch in den Griff bekommen - ich weiß zumindest, dass die Hüfte stärker schmerzt, wenn der Weg nach rechts geneigt ist und es besser ist, wenn der Weg leicht nach links abfällt (immer zum Ärgernis entgegenkommender Radfahrer oder Jogger).
Als ich zuhause ankam, war mein rechtes Fußgelenk ziemlich geschwollen und schmerzte. Heute (2 Tage später)schmerzt es nicht mehr, ist aber eigentlich noch stärker angeschwollen. Ich hoffe, diesen Zustand nun bis zum Freitag wieder normalisieren zu können. Bin nun bereits gespannt auf meinen nächsten 160 Kilometer Versuch.
Spätestens aber im September in Holland, wenn es von Nijmegen nach Rotterdam geht (ohne Rucksack).
|